Wissenschaftsministerin Martina Münch (Foto: brandenburg.de)

Integration durch Hochschulbildung

Wissenschaftsministerin Martina Münch hat heute an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg gemeinsam mit den Mitgliedern der Brandenburgischen Landesrektorenkonferenz (BLRK) eine Erklärung zur Integration von Geflüchteten durch Hochschulbildung unterzeichnet. Mit der Erklärung soll der bereits erfolgreiche begonnene Weg zur Integration von Flüchtlingen an den Brandenburger Hochschulen einen zusätzlichen Impuls erhalten.

Einstieg in die Hochschulbildung gelingen lassen

Wissenschaftsministerin Martina Münch dankte allen Hochschulen für ihr großes Engagement bei der Integration von Flüchtlingen in den vergangenen Monaten. „Mit der heute unterzeichneten gemeinsamen Erklärung setzen wir ein wichtiges Zeichen der Offenheit und Solidarität: Studieninteressierte Flüchtlinge sind uns willkommen. Dieses Zeichen ist gerade heute, angesichts des massiven Schürens von Hass und steigender fremdenfeindlicher Übergriffe wichtiger denn je. Wir wollen in Zukunft noch mehr dafür tun, dass der Einstieg in das Hochschulsystem gelingt, sei es zur Vorbereitung, Aufnahme oder Fortsetzung eines Studiums. Ich danke den Hochschulen für die vielen positiven Maßnahmen, die sie seit Ende des vergangenen Jahres auf den Weg gebracht haben, um Geflüchtete zu informieren und zu beraten, auf ein Studium vorzubereiten und sie beim Studieneinstieg zu begleiten.“

„Ich freue mich, dass wir die Entwicklung von Angeboten für Flüchtlinge an den Hochschulen in diesem Jahr mit rund einer Million Euro unterstützen können und im kommenden Jahr sogar 1,2 Millionen Euro zur Verfügung stellen können“, so Münch. „Unser Land wird davon profitieren, wenn es uns gelingt, Zuwanderinnen und Zuwanderer für unsere Hochschulen zu gewinnen. Gelungene Integration birgt ein enormes Potenzial für unsere Zukunft – für die Sicherung der Sozialsysteme ebenso wie für die Innovationsfähigkeit in Wirtschaft und Wissenschaft.“

Der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, BTU-Präsident Jörg Steinbach: „Die Integration von geflüchteten Menschen ist ein Thema, welches die brandenburgischen Hochschulen und die BLRK gemeinsam meistern. Von den seit dem letzten Jahr in Brandenburg angekommenen Flüchtlingen sind einige an unseren Hochschulen in unterschiedlichster Art und Weise integriert. Wir als brandenburgische Hochschulen wollen den vorurteilsfreien transkulturellen Austausch von Menschen unterschiedlicher Herkunft fördern. Die vielen und vielfältigen ehrenamtlichen Initiativen von Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an unseren Hochschulen beweisen, dass diese Überzeugung nicht nur geteilt, sondern gelebt wird.“

Projekte der Hochschulen

Die Hochschulen im Land Brandenburg haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Projekte zur Integration auf dem Weg gebracht, um Flüchtlingen Deutsch-Kenntnisse zu vermitteln, sie auf ein Studium vorzubereiten und zu beraten. Besonders hervorzuheben sind folgende Projekte der Hochschulen:

  • Die Universität Potsdam hat ein Qualifizierungsprogramm für geflüchtete Lehrkräfte (Refugee Teachers Welcome) aufgelegt.
  • Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg hat das Studieneinstiegs-Projekt „College für Geflüchtete“ gestartet.
  • Die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) bietet das College-Studium „Welcome@Viadrina“ an, das mit sprachlichem und fachlichem Lehrangebot auf das Studium an deutschen Hochschulen vorbereitet und die Möglichkeit bietet, ECTS-Credits zu erwerben.
  • Die Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF baut ein Netzwerk „Refugees and Media“ auf und bietet regelmäßige Refugee-Classes zum Thema Film an.
  • Die Technische Hochschule Brandenburg berät Geflüchtete in West-Brandenburg vor Ort.
  • Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde baut mit Partnern wie dem Jobcenter und Studentenwerk außerhalb der Hochschule ein überregionales Welcome-Netzwerk auf.
  • Die Fachhochschule Potsdam hat die hochschulübergreifende Beratungsstelle „HERe! – Higher Education for Refugees“ für junge Flüchtlinge eingerichtet, die ein Studium aufnehmen oder ein unterbrochenes Studium fortsetzen wollen.
  • Die Technische Hochschule Wildau hat ein Welcome Center eingerichtet, das unter anderem Studienvorbereitungsprogramme für Geflüchtete entwickelt und anbietet.

Die Landesrektorenkonferenz, in der die Rektoren und Präsidenten aller neun staatlichen Hochschulen des Landes vertreten sind, fördert die Zusammenarbeit der Hochschulen in Brandenburg im Bildungs- und Wissenschaftsbereich und befasst sich mit übergreifenden hochschulpolitischen Themen. Die Landeskonferenz informiert die Mitgliedshochschulen über hochschulpolitische Entwicklungen und erarbeitet gemeinsame Stellungnahmen zu hochschul- und wissenschaftspolitischen Themen.

 

Gemeinsame Erklärung der Hochschulen und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg zur Integration Geflüchteter durch Hochschulbildung

Viele Menschen sind wegen persönlicher Verfolgung oder kriegerischer Auseinandersetzungen in ihrer Heimat in unser Land geflohen. Es ist ihr Recht, bei uns Schutz zu suchen, und es ist unsere Pflicht, ihnen zu helfen. Das geht nur, wenn wir diese Menschen tatsächlich in unsere Gesellschaft aufnehmen und ihnen auch eine Perspektive bieten.

Die Hochschulen und das Wissenschaftsministerium des Landes Brandenburg sehen sich hier gemeinsam in der Verantwortung. Konkret heißt dies: Alle brandenburgischen Hochschulen informieren und beraten die Studieninteressierten unter den Geflüchteten über die Möglichkeiten, bei uns zu studieren. Wir wollen sie auf ein Studium vorbereiten, sie beim Studieneinstieg oder auch beim Wiedereinstieg unterstützen und sie am sozialen, kulturellen und akademischen Leben in unseren Hochschulen teilhaben lassen. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur unterstützt die Hochschulen mit zielgenauen Förderprogrammen.

Einsatz für Klima der Toleranz

Die brandenburgischen Hochschulen verstehen sich als Orte, die den vorurteilsfreien und transkulturellen Austausch von Menschen unterschiedlicher Herkunft fördern. Die Hochschulen leisten einen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis und setzen sich aktiv für ein Klima der Toleranz ein. Fremdenfeindlichkeit hat an unseren Hochschulen keinen Platz. Die vielen und vielfältigen ehrenamtlichen Initiativen der Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an unseren Hochschulen beweisen, dass diese Überzeugung nicht nur geteilt, sondern gelebt wird. Nicht zuletzt deshalb sind Studieninteressierte, Studierende und Forschende, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, an unseren Hochschulen willkommen. Mit ihnen gemeinsam zu lernen, mit ihnen gemeinsam zu forschen, bereichert unsere Arbeit. Deshalb sehen wir die Integration nicht nur als eine Herausforderung, sondern vor allem als Chance.

Unsere Unterstützung ist nicht davon abhängig, ob diese Menschen dauerhaft oder nur vorübergehend in unserem Land leben. Denn: Wenn sie wieder in ihr Heimatland zurückkehren können und wollen, nehmen sie nicht nur ihre hier erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten mit, sie nehmen auch ihre Erfahrungen mit hiesigen Werten und unserer Form der akademischen Kultur des offenen und freien Austausches mit. Wenn wir das erreichen, haben wir alle viel gewonnen.

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