Minister Wilke und Integrationsbeauftragte Gonzalez Olivo verleihen Landesintegrationspreis
Ehrung für herausragendes Engagement bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund: Eine Initiative, ein Verein und zwei Einzelpersonen sind in Wittenberge (Prignitz) von Integrationsminister René Wilke und der Landesintegrationsbeauftragten Diana Gonzalez Olivo mit dem Landesintegrationspreis 2026 ausgezeichnet worden. Geehrt wurden das Projekt „Marthas Tisch – fair zusammen“ aus Wittenberge, Gideon Gichiri Githua aus Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster), der Potsdamer Verein ESCALA e.V. mit dem Projekt KARAWANSEREI und Wolfgang Frick aus Eberswalde (Barnim). Die Auszeichnungen sind mit insgesamt 6.000 Euro dotiert.
Integration: „Eine der größten gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit“
Minister René Wilke: „Integration ist eine der größten gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit. Damit sie gelingt, bedarf es großer gemeinschaftlicher Anstrengungen. Heute ehren wir beispielhaft vier Projekte und Personen, die in vorbildhafter Weise zu diesem Gelingen beigetragen und damit unser Leben, unsere Gesellschaft gestärkt, bunter gemacht und bereichert haben. Das Engagement reicht von Menschen, die hier geboren sind, hin zu Neubürgern, die erst einige Jahre in Brandenburg leben. Dass wir in Wittenberge diese Verleihung feiern, freut mich ganz besonders. Die Stadt ist ein Beispiel für Innovation in ländlichen Räumen, und Marthas Tisch steht hier exemplarisch für den sozialen Zusammenhalt.“
Diana Gonzalez Olivo, Landesintegrationsbeauftragte: „Aus über 30 beeindruckenden Bewerbungen hat die Jury zwei Projekte und zwei Einzelpersonen ausgewählt, die sich in besonderem Maße für die Teilhabe von Geflüchteten und Zugewanderten in Brandenburg einsetzen. Es freut und beeindruckt mich sehr, wie Menschen ihr ehrenamtliches Engagement trotz schwieriger politischer Entwicklungen mutig und mit großer Überzeugung fortsetzen oder sogar neu beginnen – ihre Haltung verdient Respekt und Anerkennung.“
Die Preisträgerinnen und Preisträger
Marthas Tisch – fair zusammen
„Marthas Tisch“ in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Wittenberge ist ein offener Treffpunkt für alle Menschen im Ort: konsumfrei, barrierearm und lebendig – ein soziales Zuhause mitten in Wittenberge. Integration passiert dort im gemeinsamen Erleben und Tun: Menschen mit Migrationsgeschichte und mit Einschränkungen übernehmen Verantwortung, helfen beim Service, bei der Organisation, leiten Projekte oder moderieren Veranstaltungen. Es gibt vielfältige Aktivitäten: Mittagstisch, offene Spielabende, Internet-Sprechstunden, Kreativworkshops, Eltern-Kind-Treffen – aber auch Themen- und Filmabende zu brisanten Fragen unserer Zeit: globale Gerechtigkeit, fairer Handel, Demokratie, Gesundheit, Klima. Außerdem wurde ein Sprachclub für ältere Menschen ab 60 aufgebaut, die keinen Zugang zu klassischen Integrationskursen, aber den großen Wunsch haben, sich besser integrieren zu können.
Weitere Informationen: marthastisch.de
Gideon Gichiri Githua
Der gebürtige Kenianer Githua lebt mit seiner Familie in Doberlug-Kirchhain und gestaltet dort aktiv das Gemeindeleben der evangelischen Kirchengemeinde mit. Im August 2025 hat er ein neues Projekt initiiert: Ein Sprachcafé, das einmal wöchentlich (dienstagabends) im evangelischen Gemeindehaus Kirchhain stattfindet. Hier kommen Deutsche und Menschen mit Migrationsgeschichte miteinander ins Gespräch. Githua kümmert sich um die Teilnehmenden, ihre Anreise (manche Geflüchtete können aufgrund des fehlenden ÖPNV in den Abendstunden nicht aus der Gemeinschaftsunterkunft hin- und wieder zurückkommen) und das Programm. Für die Kirchengemeinde ist diese Veranstaltung ein großer Gewinn, da es jenseits des wöchentlichen Gottesdienstes eine besonders niedrigschwellige Veranstaltung ist, an der alle teilnehmen und im Gespräch zusammenfinden können.
ESCALA e.V. KARAWANSEREI
Der Verein ESCALA e.V. (Kunst und Kultur im interkulturellen Kontext) ist der Trägerverein des Netzwerks KARAWANSEREI, das 2014 durch das Potsdamer interkulturelle Frauentheaterprojekt enstand. Seitdem sind sowohl in Brandenburg/Havel (2023) als auch in Eberswalde (2025) weitere wöchentliche, interkulturelle Frauentheaterprojekte entstanden. Seit 2024 existiert eine Workshopreihe zu Bewegung und Theater, an der alle Frauen (egal ob Deutsche oder Migrantinnen) kostenfrei teilnehmen können. Die im Projekt mitwirkenden Frauen gestalten aktiv Theaterstücke oder leiten Workshops für andere. Die wöchentlichen KARAWANSEREI-Gruppen bieten eine Begegnungsplattform für Frauen aus der ganzen Welt. Sie treffen sich einmal wöchentlich und gestalten gemeinsam ein Theaterstück. Die Arbeitssprache ist Deutsch und das vordergründige Ziel sind mindestens zwei öffentliche Aufführungen pro Jahr. Die Projektteilnehmerinnen sind zwischen 20 und 60 Jahre alt. Viele Frauen nehmen bereits seit mehreren Jahren aktiv. Insgesamt spielten bisher Frauen aus rund 25 verschiedenen Nationen bei den Aufführungen mit, darunter aus Afghanistan, Irak, Iran, der Ukraine und Syrien, denen die Frauentheatergruppen nach ihren Fluchterfahrungen Halt geben.
Weitere Informationen: karawanserei-theater.eu
Wolfgang Frick
Seit seiner Pensionierung im Jahr 2015 engagiert sich Wolfgang Frick in der Kleiderkammer der evangelischen Stadtgemeinde Eberswalde, deren Leitung er seit sieben Jahren innehat. Unter seiner Verantwortung wurde die Einrichtung zu einem offenen Begegnungsort weiterentwickelt – mit neuen Angeboten für Studierende, Geflüchtete und sozial Benachteiligte. Er initiierte Upcycling- und Nähprojekte für Kinder, die Nachhaltigkeit, Teilhabe und gemeinsames Lernen verbinden. Seit nunmehr zehn Jahren ist Frick zudem Ansprechpartner und Begleiter für Geflüchtete in Eberswalde. Er hilft bei Behördengängen, vermittelt Kontakte und fördert Begegnungen zwischen alteingesessenen und neuen Bürgerinnen und Bürgern. Darüber hinaus absolvierte er eine zweijährige Ausbildung zum Demokratiebotschafter der evangelischen Kirche und wirkt seither in Bildungs- und Begegnungsprojekten mit, die demokratische Werte und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Frick war über vier Jahrzehnte im Polizeidienst tätig, zuletzt als Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter der Kriminaltechnik in der Polizeidirektion Ost. Seit 1993 ist er aktives Mitglied der Gewerkschaft der Polizei, heute Landesseniorenvorsitzender der GdP Brandenburg.
Hintergrund
Mit dem Integrationspreis werden seit 2008 Personen und Institutionen ausgezeichnet, die sich haupt- oder ehrenamtlich besonders engagiert für die Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte im Land Brandenburg einsetzen. Kreative Ansätze, Nachhaltigkeit, Vernetzung und Wirkung in das Gemeinwesen sind wichtige Kriterien für die Auswahl. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von einer Jury bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Landtags, des Landkreistags, des Städte- und Gemeindebundes, des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Integrationsbeauftragten im Land Brandenburg, des Vereins Viet Hong e.V. sowie der Integrationsbeauftragten des Landes Brandenburg ausgewählt.

geralt/pixabay.com

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