Menschen – Kennen- und Verstehenlernen

Projekt “Menschen – Kennen- und Verstehenlernen”

Im Rahmen des Projektes „Toleranz durch gegenseitiges Kennen- und Verstehenlernen mit Hilfe von Musik, Musikproduktion und Videoporträts” des Musikers Andreas Schulte und des Filmemachers Robert Lucas (Tecdocfilm) wurden Künstlerinnen und Künstler mit Migrationshintergrund in ganz Brandenburg begleitet.

Videoreihe und Musik-CD: Menschen – Kennen- und Verstehenlernen

Das Ergebnis sind eine wunderbare Musik-CD mit 18 Liedern und eindrückliche Videoporträts, die die Erlebnisse, Emotionen, Träume und Pläne der Protagonistinnen und Protagonisten zum Ausdruck bringen. Die CD ist auf Anfrage bei der Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg/ Bündnis für Brandenburg“ erhältlich.

Alle zwölf Videos der Reihe lassen sich direkt hier in unserem Videoplayer abrufen:

Hintergrund

Das Projekt wurde vom Bündnis für Brandenburg gefördert.

 

Weitere Infos
Alle zwölf Videos des Projekts auf YouTube

Obdachlose Flüchtlinge nach dem Brand auf Lesbos (Foto: NurPhoto / Grigoris Siamidis)

Integrationsbeauftragte fordern Evakuierung aller Geflüchteten von Lesbos

Die Integrationsbeauftragten von neun Bundesländern fordern in einer gemeinsamen Erklärung die sofortige Verteilung aller Geflüchteten von Lesbos. Mitunterzeichnet hat den Appell die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg, Dr. Doris Lemmermeier. „Viel zu lang wurde das Recht auf Asyl und die Würde der Menschen mit Füßen getreten. Jetzt muss eine humanitäre Lösung für alle auf Lesbos festsitzenden Geflüchteten gefunden werden“, so die Landesintegrationsbeauftragte.

Umstände machen alle Geflüchteten auf Lesbos schutzbedürftig

Die Ankündigung der Bundesregierung, rund 1.500 Schutzbedürftige von den griechischen Inseln aufzunehmen, stellt in den Augen von Lemmermeier keine ausreichende Lösung dar. Mit ihren Länderkolleginnen und -kollegen aus Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringer ist sich die Brandenburger Integrationsbeauftragte einig, dass es nicht mehr reicht, nur besonders Schutzbedürftige aufzunehmen, „denn zwischenzeitlich sind alle, die dort verharren müssen, gefährdet und schutzbedürftig“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung an das Bundesinnenministerium vom 16. September, und weiter: „Jetzt gilt es, Soforthilfe zu leisten, nämlich das Lager aufzulösen und alle – nicht nur einen Teil – Geflüchteten auf menschenwürdige Unterkünfte in Europa zu verteilen“, fordern die Integrationsbeauftragten der neun Länder.

Kommunen zeigen sich hilfsbereit

Dabei könne und solle die Bundesregierung auf die explizite Aufnahmebereitschaft zahlreicher Kommunen auch in Brandenburg zurückgreifen.

 

Weitere Informationen
Gemeinsame Erklärung der neun Integrationsbeauftragten

Huy: "Ich bin von hier"

Brandenburg im Rampenlicht: Start der zweiten Staffel

Die Landeszentrale für Politische Bildung startet heute die zweite Staffel iherer Webvideo-Reihe „Brandenburg im Rampenlicht“. Darin treffen wir junge Brandenburgerinnen und Brandenburger, deren Geschichten nicht nur zeigen, wie vielfältig das Leben in Brandenburg ist, sondern die vor allem Mut machen: Mut sich nicht unterkriegen zu lassen und für die eigenen Wünsche und Ziele einzutreten.

Huy in Folge 1

In der ersten Folge haben die Filmer Huy getroffen. Huys Eltern sind als Vertragsarbeiterin und Vertragsarbeiter aus Vietnam in die DDR gekommen und auch nach der Wiedervereinigung in Deutschland geblieben. Früher in der Schule war Huy mit rassistischen Klischees und Vorurteilen konfrontiert, fühlte sich ausgegrenzt, allein, und heute – wird er Lehrer.

Mit der Webvideo-Reihe sollen junge Menschen ermutigt werden, ihre Ziele zu verfolgen, sich einzumischen und die Gesellschaft mitzugestalten.

Bildungsseminare für Menschen mit und ohne Fluchterfahrung

In den kommenden Monaten finden beim Verein HochDrei in Potsdam wieder Bildungsangebote statt – selbstverständlich unter coronagerechten Bedingungen. Zielgruppen sind dabei Menschen aus ganz Brandenburg mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen. Der Verein HochDrei möchte nicht nur politische Bildung anbieten, sondern auch das Kennenlernen und den Austausch untereinander fördern.

Anstehende Bildungsseminare

In den kommenden Monaten finden folgende Seminare statt:

4.-6.September
„Rassismus? Nicht mit uns!“
Dieser Rassismus-Empowerment-Workshop richtet sich explizit an junge Frauen und Mädchen zwischen 15 und 35 Jahren, die selbst von Rassismen betroffen sind. Ziel ist die gegenseitige Stärkung, die Bearbeitung rassistsicher Erfahrungen, aber das gemeinsame Überlegen, wie sich jede selbst in gesellschaftliche Veränderungen einbringen kann.

18.-20. September
„Schwimmende Identitäten“
An diesem Wochenende, an dem junge Erwachsene im Alter von 16-35 Jahren teilnehmen können, dreht sich alles um die Fragen: Wer bin ich? Wer sind die anderen? Und wodurch werden unsere Identitäten beeinflusst?

10.-17. Oktober
“Dynamische Teilhabe: Tanz! Die Bewegung in Mir!”
Dieses Seminar richtet sich an junge Frauen und Mädchen zwischen 16 und 25 Jahren. Mit Unterstützung von zwei Tanzpädagoginnen wird die Gruppe herausfinden, was Tanz für sie eigentlich bedeutet, ob es eine Ausdrucksform der eigenen Persönlichkeit und Erfahrungen sein kann und wie Tanz auch als Teil gesellschaftlicher Teilhabe zu verstehen ist.

Weitere Informationen zu den Angeboten

Flyer mit ausführlicheren Beschreibungen und Informationen finden sich zum Download unter “Weitere Informationen”. Die Seminare und Workshops finden alle im Seminarhaus Hochland in Potsdam statt, die Fahrkosten werden für die Teilnehmenden übernommen.

Hinweis

Da möglichst vielen Menschen eine Teilnahme ermöglicht werden soll, sind die Teilnahmebeträge nach Absprache flexibel, sodass es keine Ausschlüsse aufgrund der finanziellen Situation der Teilnehmenden gibt.

 

Weitere Informationen
Flyer zu “Rassismus? Nicht mit uns!”
Flyer zu “Schwimmende Identitäten”
Flyer zu “Dynamische Teilhabe: Tanz! Die Bewegung in Mir!”

Bewerbungsstart für Landesintegrationspreis 2020

Ab sofort können sich Einzelpersonen, Vereine, Verbände, Initiativen, Unternehmen und Kommunen für den Brandenburger Integrationspreis 2020 bewerben oder dafür vorgeschlagen werden.

Jetzt für den Landesintegrationspreis bewerben

Die Landesintegrationsbeauftragte Dr. Doris Lemmermeier ruft alle Personen und Institutionen, die sich haupt- oder ehrenamtlich in besonderer Weise für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Land Brandenburg einsetzen, zum Mitmachen auf: „Im ganzen Land engagieren sich Menschen für die Integration. Ohne dieses vielfältige und kreative Engagement vor Ort könnte Integration nicht gelingen. Das wollen wir würdigen, gute Ideen bekannter machen und so auch zum Nachahmen anregen.“

Die Bewerbungsfrist endet am 9. Oktober 2020. Der Preis ist mit einer Gesamtsumme von 6.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung wird Anfang des Jahres 2021 stattfinden.

Hintergrund zum Landesintegrationspreis

Der Brandenburger Integrationspreis wird seit 2008 vergeben und zeichnet hervorragende Leistungen bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund aus. Die Integrationsmaßnahmen sollen sich insbesondere durch kreative Ansätze, Innovation, Nachhaltigkeit, Vernetzung und Wirkung in das Gemeinwesen auszeichnen.

Die Auswahljury setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern des Landtages, des Landkreistages, des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, des Ministeriums des Innern und für Kommunales, des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Integrationsbeauftragten im Land Brandenburg, des Vereins Viet Hong e.V. sowie der Integrationsbeauftragten des Landes Brandenburg.

Bewerbungen für den Landesintegrationspreis

Bewerbungen sind zu richten an: Die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg, Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz, Henning-von-Tresckow-Straße 2-13, 14467 Potsdam.

Für Toleranz und Respekt vor Differenz: Voltaire-Preis 2021

Bereits zum fünften Mal schreibt die Universität Potsdam ihren „Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz“ aus. Der von der Friede Springer Stiftung finanzierte und mit 5.000 Euro dotierte Preis wird einmal im Jahr an eine Persönlichkeit vergeben, die sich für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzt.

Voltaire-Preis – Nominierungsphase startet

Ab sofort können junge Forschende für den Voltaire-Preis 2021 vorgeschlagen werden. Er wird im feierlichen Rahmen des Neujahrsempfangs der Universität Potsdam im Januar 2021 verliehen.
„Die Universität Potsdam sieht sich eng mit dem Gedankengut der Aufklärung verbunden“, sagt der Präsident der Universität und Jurymitglied Professor Oliver Günther. Dabei spiele die Internationalisierung eine wichtige Rolle, denn sie sei ein integraler Bestandteil des universitären Lebens. „In diesem internationalen Kontext können wir als Universität dazu beitragen, Weltoffenheit, interkulturellen Austausch und Willkommenskultur zu fördern“, so Günther.

Hintergrund

Mit dem Voltaire-Preis ausgezeichnet wurden bislang die türkische Politologin Hilal Alkan, die den Krieg in den kurdischen Gebieten und das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Zivilisten anprangerte und daraufhin ihre Anstellung verlor, dann die guatemaltekische Soziologin Gladys Tzul Tzul, die sich für indigene Völker in Mittelamerika engagiert, der afghanische Philosoph Ahmad Milad Karimi für sein fachliches Engagement als Mittler zwischen den Kulturen und in diesem Jahr der ungarische Medien- und IT-Rechtler Gábor Polyák.

Für den Voltaire-Preis 2021 können nun erneut Akademikerinnen und Akademiker vorgeschlagen werden, die sich wissenschaftlich mit den Themen Völkerverständigung, Toleranz und Respekt vor Differenz auseinandersetzen und für die Freiheit in Forschung und Lehre sowie für freie Meinungsäußerung eintreten. Alle Informationen zur Nominierung eines Kandidaten oder einer Kandidatin sind im Internet zu finden.

Quelle: uni-potsdam.de

 

Weitere Informationen
Nominierungen für den Volatire-Preis einreichen

Kunstausstellung "Meine Heimat" in Potsdam

“Meine Heimat”: Ausstellung im Potsdamer Rechenzentrum

Noch bis zum 26. Juli sind im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum in Potsdam selbstgeschriebene Geschichten und Portraits zum Thema “Meine Heimat” zu sehen.

Ausstellung “Meine Heimat” bietet ganz persönliche Eindrücke

Migrantinnen und Migranten aus Brandenburg präsentieren im KunstOrbit in der Dortustraße selbstgeschriebene Geschichten aus dem Alltag und großformatige Wandbilder. Die Künstlerin Katrin Seifert hat jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer portraitiert. Den Rahmen des Portraits konnte die/der Portraitierte selbst bemalen. Entstanden sind auf diese Weise sehr interessante und persönliche Eindrücke vom Ankommen und Leben in Brandenburg.

Hintergrund

Die Ausstellung wird vom Bündnis für Brandenburg gefördert. Die Protagonistinnen und Protagonisten betreuen die Ausstellung selbst.

Die Ausstellung ist bis zum 26. Juli jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Die Räumlichkeiten des KunstOrbits finden sich in der Dortustraße 46 in 14467 Potsdam.

 

Freundschaft (Foto: falco/pixabay.com)

Wichtige Beschlüsse gegen Hass und für mehr Teilhabe

Die Hauptkonferenz der 15. Konferenz der für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren (IntMK) sollte eigentlich am 29. und 30. April 2020 in der Landeshauptstadt Potsdam stattfinden. Brandenburg als Vorsitzland bereitete dafür alles mit Hochdruck vor – bis zum Ausbruch der Corona-Krise. Das Covid-19-Infektionsgeschehen erzwang die Absage dieser wichtigen Länderfachministerkonferenz. Trotz erschwerter Bedingungen haben die Länder jetzt in einem Umlaufverfahren zwölf Anträge beschlossen. Der IntMK-Vorsitz wechselt zum 1. Juli nach Bremen.

Brandenburg gibt Vorsitz an Bremen ab

Ziele der Beschlüsse sind unter anderem Hasskriminalität und Rechtsextremismus in Deutschland noch stärker zu bekämpfen, den Zugang zu Integrationskursen und Berufssprachkursen für Geflüchtete zu erweitern sowie eine digitale Unterstützung es Spracherwerbs und der beruflichen Qualifizierung zu forcieren.

Die IntMK-Vorsitzende und Brandenburger Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte zum Abschluss: „Das Land Brandenburg hätte die Konferenz sehr gerne ausgerichtet. Die Bewältigung der Corona-Krise und der Infektionsschutz der Bevölkerung haben aber selbstverständlich Vorrang. Umso erfreulicher ist es, dass wir trotz erschwerter Bedingungen gemeinsam wichtige Vereinbarungen getroffen haben. Gerade im Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus müssen wir weiter entschlossen handeln. Nicht nur Anfeindungen im Alltag, auch die Bereitschaft zur Ausübung psychischer und physischer Gewalt nehmen zu, wie die Anschläge in Hanau und Halle, der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sowie die Übergriffe gegen Politiker in bestürzender Weise zeigen. Auch wirken Ungleichwertigkeitsvorstellungen inzwischen weit in die Gesellschaft hinein. Durch Anonymität und Vernetzung im Internet sinken Hemmschwellen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Die Integrationsministerkonferenz setzt hier ein klares Zeichen. Neben dem besseren Schutz bedrohter Menschen und Einrichtungen müssen wir noch viel stärker präventiv tätig zu werden.“

Zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft

In der Gesellschaft lässt sich eine zunehmende Polarisierung beobachten und eine Zunahme rassistischer, rechtsextremistischer, antisemitischer, antimuslimischer und homophober Einstellungen. Dies erfüllt die für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren (Integrationsministerkonferenz) mit großer Sorge. Mit einem einstimmig angenommenen Antrag setzen sie sich daher dafür ein, solchen Radikalisierungsprozessen entgegenzuwirken und die Demokratieförderung auf eine dauerhafte und verlässliche Basis zu stellen.

„Rassismus und Diskriminierung stellen wir uns in allen Bereichen und auf allen Ebenen entschieden entgegen. Als Integrationsministerinnen und -minister ist es uns ein besonderes Anliegen zu verdeutlichen, dass Vielfalt und vielfältige Lebensentwürfe in Deutschland ihren festen Platz haben. Hass und Gewalt dürfen sich in unserer Gesellschaft nicht breitmachen. Dafür benötigen wir neben sicherheitspolitischen Schritten gezielte präventive Maßnahmen in der dauerhaften Demokratieförderung“, so die Hamburger Senatorin Dr. Melanie Leonhard (SPD).

Die Integrationsministerkonferenz macht sich weiterhin gezielt für Verbesserungen bei den Integrationskursen stark, so etwa für einen besseren Zugang von Menschen mit Behinderungen oder die Übernahme von Fahrtkosten und die Sicherstellung der Kinderbetreuung bei den Erstorientierungskursen. Zudem setzt sie sich dafür ein, dass alle Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Geduldete Zugang zum Integrationskurssystem erhalten, unabhängig von ihrem Herkunftsland oder ihrer Bleibeperspektive.

Die Integrationsministerin des Saarlandes, Monika Bachmann (CDU), sagte: „Sprache ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration und die Grundlage für die Teilhabe in sämtlichen Lebensbereichen. Digitale Instrumente wie Apps, Onlinekurse oder auch Video-Teaching bieten hier zahlreiche Möglichkeiten der orts- und zeitunabhängigen Informations- und Wissensaneignung. Diese Möglichkeiten sollten wir intensiv nutzen, um zugewanderten Menschen in den Bereichen Sprache und Berufsbildung optimale Startvoraussetzungen in Deutschland zu bieten.“

Am 1. Juli übernimmt Bremen für ein Jahr den Vorsitz der 16. Integrationsministerkonferenz. Senatorin Anja Stahmann (Bündnis 90/Die Grünen) sieht mit dem Vorsitz besondere Herausforderungen verbunden: „Das Land Bremen steht nun vor der besonderen Aufgabe, nachdem die Coronakrise tiefgreifend in unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben eingegriffen hat und weiterhin andauert, den wichtigen integrationspolitischen Themen für die Integrationsministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren zukünftig ausreichend Gehör zu verschaffen. Gerade die Schwächeren in unserem Land trifft die Pandemie hart. Dazu gehören auch die Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Armut zu uns gekommen sind.“

Hasskriminalität bekämpfen und Menschen effektiv vor gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus schützen

Positive Erfahrungen mit Demokratie haben gerade in pluralistischen Gesellschaften eine zentrale Bedeutung für die Integration und sind wesentlich für das friedliche Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft.

Die IntMK begrüßt das Maßnahmenpaket der Bundesregierung zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität (sogenannter 9-Punkte-Plan). Damit jedoch Mandatsträgerinnen und Mandatsträger, Journalistinnen und Journalisten wie auch Akteurinnen und Akteure in diesem Handlungsfeld ihre Aufgaben ohne Bedrohungen und weitere Sanktionen verrichten können, bedarf es einer Ausweitung der bisher vorgesehenen Punkte. Bei der Ausarbeitung muss der Stimme der Betroffenen (u.a. Opferberatungsstellen und berührten Verbänden) besonderes Gewicht zukommen.

Die IntMK fordert das Bundesinnenministerium auf, im Rahmen der Ausarbeitung und Umsetzung der Maßnahmen aus dem 9-Punkte-Plan ein Begleitgremium unter Beteiligung der fachlich betroffenen Bundesressorts, fachlich berührte Ministerien der Länder sowie betroffener Gruppierungen und Verbände einzurichten.

Radikalisierungsprozessen entgegenwirken, Demokratie fördern

Mit Sorge registriert die Integrationsministerkonferenz eine zunehmende Radikalisierung in der Gesellschaft. Rassistische, rechtsextremistische, antisemitische, antimuslimische und homophobe Tendenzen erstarken. Vielfältige Lebensentwürfe sind aber alltägliche Realität in Deutschland; sie zu respektieren und zu schützen ist Teil unserer demokratischen Grundordnung. Erst ein respektvolles, friedliches und tolerantes Miteinander ermöglicht allen, auch jeder und jedem Zugewanderten, ihr bzw. sein Leben eigenverantwortlich zu gestalten und sich aktiv in diese Gesellschaft einzubringen. Ausgrenzung, Rassismus, Hass und Gewalt erschweren nicht nur die Integration, sie gefährden auch das gesellschaftliche Miteinander insgesamt.

Die IntMK befürwortet es daher, wenn verstärkte sicherheits- und ordnungspolitische Maßnahmen ergriffen werden, etwa um Synagogen und andere Glaubensorte zu schützen. Sie weist aber darauf hin, dass diese Maßnahmen nur Teil eines umfassenderen Pakets sein können. Als ebenso wesentlich erachtet sie es, präventiv gegen Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Homophobie und andere Formen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit vorzugehen.

Sie begrüßt daher die Fortführung des Bundesprogramms „Demokratie leben“ in einer zweiten Förderperiode mit weiteren fünf Jahren (2020-2024). Als notwendig erachtet die Integrationsministerkonferenz allerdings, eine dauerhafte und damit verlässliche Förderstruktur zu schaffen. Erst diese ermöglicht es, langfristig bewährte Vorgehensweisen für die Ertüchtigung der Demokratie zu identifizieren, diese zu verstetigen und über den Austausch auch für andere Nutzer zugänglich zu machen. Dabei sind föderale Kompetenzen zu berücksichtigen.

Zugang zu Integrationskursen und Berufssprachkursen erweitern, Stichtagsregelung aufheben

Die IntMK bekräftigt ihre Forderungen, allen Zugewanderten möglichst schnell nach der Einreise die Teilnahme an einem Integrationskurs zu ermöglichen. Je mehr Zeit seit Beginn des Aufenthalts ungenutzt verstreicht, desto größere Investitionen sind später für die nachholende Integration notwendig. Unabhängig davon haben Deutschkenntnisse auch bei nur vorübergehenden Aufenthalten erhebliche Relevanz für das alltägliche Miteinander oder können bei der Rückkehr in das Herkunftsland als Zusatzqualifikation dienen.

Die IntMK begrüßt daher grundsätzlich die Erweiterung des Zugangs von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern sowie Geduldeten zu den bundesgeförderten Sprachkursangeboten durch das am 1. August 2019 in Kraft getretenen Ausländerbeschäftigungsförderungsgesetz als Teil des Migrationspaketes. Die Erweiterung des Aufenthaltsgesetzes bezieht sich jedoch nur auf gestattete Ausländerinnen und Ausländer, die vor dem 1. August 2019 in das Bundesgebiet eingereist sind. Personen, die nach diesem Stichtag eingereist sind und aus Herkunftsländern mit keiner guten Bleibeperspektive stammen, werden von dieser Erweiterung nicht erfasst. Die IntMK appelliert daher an den Bund, das Stichtagskriterium für Gestattete bei der Sprachförderung zu streichen.

Die IntMK fordert den Bund auf, dem selbst gesteckten Anspruch an das „Gesamtprogramm Sprache“ gerecht zu werden und allgemeine und berufsbezogene Sprachförderung eng miteinander zu verzahnen. Diesem Anspruch wird der Bund durch die unterschiedlichen Zugänge zu Integrationskursen und Berufssprachkursen für Personen mit Duldung nicht gerecht. Die IntMK erneuert und bekräftigt daher ihre Forderung an den Bund, den Zugang zu den Integrationskursen für alle Asylbewerberinnen und Asylbewerber sowie Geduldete unabhängig von Herkunftsland oder Bleibeperspektive zu öffnen, wie sie auch der Bundesrat in seiner Entschließung vom 11.Oktober 2019 beschlossen hat.

Einrichtung einer Bund-Länder-AG zur Umsetzung des Asyl- und Migrationsfonds (AMF)

Die Integrationsministerkonferenz beschließt die Einrichtung einer länderoffenen Arbeitsgruppe unter Beteiligung des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) mit dem Ziel der Erarbeitung von Verfahren und zur fachlich-inhaltlichen Abstimmung für die zukünftige Umsetzung des Asyl- und Migrationsfonds (AMF) in der EU-Förderperiode 2021-2027 eingerichtet. Der Vorsitz der Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll beim jeweiligen IntMK-Vorsitzland gemeinsam mit dem BMI liegen. Mit dieser Arbeitsgruppe sollen die Länder bei der gezielten Umsetzung der AMF-Mittel stärker beteiligt werden.

Ministerin Ursula Nonnemacher: „Die Europäische Union wird aller Voraussicht nach den Europäischen Asyl- und Migrationsfonds, mit dem auch die Integration Geflüchteter unterstützt wird, in der kommenden EU-Förderperiode ab 2021 deutlich aufstocken. Bund und Länder haben daher im Rahmen der 15. Integrationsministerkonferenz eine gemeinsame Bund-Länder-Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um die Planung des Programms auf nationaler Ebene gut abgestimmt vorzubereiten und die Mittel der EU effektiv einzusetzen. Das ist für die erfolgreiche Integrationspolitik der Länder von großer Bedeutung.“

Digitale Unterstützung des Spracherwerbs und der beruflichen Qualifizierung forcieren

Die IntMK sieht im Erwerb der deutschen Sprache und beruflicher Kenntnisse wesentliche Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Sie bittet die Bundesministerien des Innern, für Bau und Heimat, für Arbeit und Soziales sowie für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu prüfen, ob durch den verstärkten Einsatz digitaler Instrumente das Sprachkursangebot sowie die berufliche Qualifizierung von Migranten und Migrantinnen sinnvoll unterstützt werden kann. Der Einsatz digitaler Instrumente sollte insbesondere im Hinblick auf die Vorintegrationsphase von Zuwanderern im Herkunftsland sowie die Integration besonderer Zielgruppen in Deutschland thematisiert werden.

Die Integrationsministerkonferenz (kurz: IntMK) ist ein Gremium der freiwilligen Zusammenarbeit der Länder auf dem Gebiet der Integration. Die Mitglieder sind die für die Integration zuständigen Ministerinnen, Minister, Senatorinnen und Senatoren der Länder. Die IntMK berät und beschließt über grundsätzliche und länderübergreifende Angelegenheiten der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Sie koordiniert und fördert den Austausch von Informationen und Erfahrungen zwischen den Ländern. Außerdem dient die IntMK der Zusammenarbeit mit dem Bund – unabhängig von der förmlich geregelten Rolle des Bundesrates als Verfassungsorgan. Brandenburg hat seit dem 1. Oktober 2019 den turnusmäßigen Vorsitz. Die Staffelstabsübergabe findet in diesem Jahr bereits zum 1. Juli statt. Dann übernimmt Bremen den Vorsitz.

 

Weitere Informationen
Alle Beschlüsse der 15. Integrationsministerkonferenz

Dr. Doris Lemmermeier im Interview (Foto: masgf.brandenburg.de)

Integrationsbeauftragte dankt für Einsatz in der Corona-Krise

Bei einem Besuch der Flüchtlingshilfe Jüterbog dankte die Integrationsbeauftragte des Landes Dr. Doris Lemmermeier stellvertretend für viele ehrenamtliche Initiativen für ihren engagierten Einsatz in der Corona-Krise. Wie in Jüterbog haben in ganz Brandenburg Geflüchtete und Ehrenamtliche Tausende von Masken genäht und Einkaufshilfe geleistet. Die Integrationsbeauftragte hatte dafür die Aktion „Füreinander – Miteinander“ gestartet, die heute am 30. Juni zu Ende geht: „Die Aktion war mit mehr als 50 Anträgen in einem Gesamtvolumen von über 70.000 Euro ein großer Erfolg und hat Hilfe an der richtigen Stelle geleistet“.

Einsatz in der Corona-Krise: Rund 2.300 Masken genäht

„Ich bin heute nach Jüterbog gekommen, weil die „Flüchtlingshilfe Jüterbog“ mit ihrem Engagement die Initialzündung für die Aktion „Füreinander – Miteinander“ gegeben hat. Damit konnten wir viele Ehrenamtliche dabei unterstützen, vor Ort zusammen mit Geflüchteten einen Beitrag zur Bewältigung der Situation zu leisten. Ich bin sehr beeindruckt, mit welchem Engagement überall im Land Masken genäht wurden. Pflegeheime, Krankenhäuser, Verwaltungen und die Zivilgesellschaft wurden mit Masken versorgt. Sehr viele Geflüchtete haben sich mit ihren Nähkünsten eingebracht und rund um die Uhr an den Masken gearbeitet. Man hat gesehen, dass das Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe im Land Brandenburg nach wie vor aktiv ist und zunehmend sind auch Geflüchtete wesentlich daran beteiligt“, sagte Doris Lemmermeier in Jüterbog.

Mechthild Falk, Pfarrerin i.R. und Sprecherin der Flüchtlingshilfe Jüterbog: „Anfang April 2020 erreichte die Aktionsgruppe „Flüchtlingshilfe Jüterbog“ eine Anfrage aus dem Johanniter-Seniorenheim Jüterbog, ob in der von ihr organisierten Nähstube Mund-Nasen-Masken genäht werden könnten. Der Bedarf für das Pflegepersonal war groß. Vier nähkundige Menschen aus dem Iran und Afghanistan erklärten sich sofort bereit, bei der Aktion mitzumachen. Die Ehrenamtlerinnen organisierten Stoffe, Gummiband und Garn. Zunächst standen nur die alten gespendeten Nähmaschinen zur Verfügung. Durch Fördermittel der Aktion „Füreinander – Miteinander“ konnte durch zwei leistungsstarke Nähmaschinen und eine Elektroschere zum Zuschneiden der Stoffe die Produktion der Masken erheblich beschleunigt und erleichtert werden.“

Viele profitieren von „Füreinander – Miteinander“

Die Geflüchteten nähten im Akkord über vier Wochen lang Masken. Mit den ca. 2.300 Stück konnten alle Seniorenheime in Jüterbog, Flüchtlingseinrichtungen, Firmen und Institutionen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rathauses und einer Behinderteneinrichtung in Luckenwalde und viele Einzelpersonen versorgt werden. Zum Abschluss der Aktion trafen sich die Integrationsbeauftragte und der Leiter des Johanniter-Seniorenheims im Garten der Einrichtung mit den Geflüchteten und Vertreterinnen und Vertretern der „Flüchtlingshilfe Jüterbog“.

Hintergrund

Für Ehrenamtliche und Geflüchtete wurde von der Integrationsbeauftragten zu Beginn der Pandemie das Projekt „Füreinander – Miteinander“ auf den Weg gebracht. Mit ihm konnten bis zu 2.000 Euro für Hilfe in der Corona-Situation bewilligt werden – um Einkäufe zu tätigen für Menschen, die Unterstützung brauchen oder um Masken zu nähen.

Bundesratspräsident Woidke: Leid der Flüchtlinge nicht vergessen

Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni 2020 mahnt Bundesratspräsident Dietmar Woidke, über die Einschränkungen und Sorgen um die Corona-Pandemie nicht das Leid der Millionen Flüchtlinge zu vergessen. “Diese Menschen brauchen auch jetzt unsere Solidarität”, erklärte er.

Woidke: “Für viele Millionen Menschen weltweit ist der Kampf gegen die Corona-Pandemie verbunden mit Einschnitten in ihr gewohntes Leben und Sorgen um die Zukunft. Doch auch in dieser globalen Ausnahmesituation dürfen wir diejenigen nicht vergessen, für die Corona nur ein weiteres Unglück in einem Leben voller Katastrophen ist.

Flüchtlinge brauchen unsere Solidarität

Derzeit sind fast 80 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt, Zerstörung und Hunger. Die Pandemie hat die ohnehin schwierige Lage von Geflüchteten noch verschärft. Auch wenn wir selbst in diesen Tagen möglichweise verunsichert oder auf Hilfe angewiesen sind: Diese Menschen brauchen auch jetzt unsere Solidarität.

Teil unserer Verantwortung

Der Weltflüchtlingstag erinnert uns daran, dass Millionen Menschen ihr gewohntes Leben vollständig aufgeben mussten, um zu überleben. Auch in Zeiten großer Entbehrungen bleibt es unsere Verantwortung, die Lehren des Zweiten Weltkriegs und die Erfahrungen der Opfer von Flucht und Vertreibung in unserem kollektiven Gedächtnis zu verankern.

Europäisches Miteinander in der Migrations- und Asylpolitik

Heimatverlust, Todesangst, Sorge um die Zukunft sind Empfindungen, die betroffene Menschen nachhaltig prägen, heute wie vor 75 Jahren. Wir miteinander können dafür sorgen, dass diese Menschen wieder Fuß fassen. Geschlossene Grenzen, Abstands- und Hygieneregeln dürfen unsere Menschlichkeit und Empathie nicht eindämmen. Gerade in stürmischen Zeiten sollten wir gemeinsam dafür eintreten, dass Humanitäre Hilfe, die Bekämpfung von Fluchtursachen und eine solidarische Migrations- und Asylpolitik als Werte-Anker unseres europäischen Miteinanders gestärkt werden.”

Quelle: bundesrat.de